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2011-10-13 Besichtigung Gasspeicher in Epe

 

 AHAUS. Mit Beginn der neuen Heizperiode nutzen die Stadtwerke Ahaus erstmals zwischengelagertes Erdgas aus ihrem neu angemieteten unterirdischen Gasspeicher in Epe.
Aufsichtsrat und Mitarbeiter der Stadtwerke haben sich jetzt vor Ort einen Eindruck Lagertechnik gemacht. Bereits seit Ende den 70er Jahren nutzen Energiekonzerne unterirdische Hohlräume in einer 300 bis 400 Meter mächtigen Salzschicht unter dem Eper Venn, um sich im Sommer mit Erdgas zu bevorraten, das im Winter verheizt wird. Der Vorteil: Im Sommer sind die Beschaffungskosten für Erdgas meist deutlich niedriger. Die Stadtwerke-Kooperation Trianel hat ihren Speicher 2008 in Betrieb genommen und damit erstmals auch kleineren Stadtwerken Gelegenheitgeboten, Speicherplatz zu nutzen. „Wir haben eine Speicherkapazität von 4265 Kubikmeter gemietet“, erklärt der Ahauser Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Siekhaus. Das entspricht in etwa 13 Prozent des Ahauser Jahresbedarfs – aber nur 0,3 Prozent der Trianel-Speicherkapazität in Epe. 450 000 Euro Miete zahlen die Stadtwerke jährlich dafür. Rechnet sich das? Siekhaus: „In diesem Jahr haben wir ein Nullsummenspiel, denn untypischerweise waren die Gaspreise im Sommer relativ hoch.“ Damit sei in den nächsten Jahren aber nicht zu rechnen. Der Mietvertrag ist bis 2014 befristet. Siekhaus: „Dann werden wir neu entscheiden.“

Zahlen

› 250 Millionen Jahre alt sind die Salzvorkommen im Eper Venn.
› 1,3 Millionen Kubikmeter Gas fassen allein die vier Trianel-Kavernen – über 50 weitere Kavernen werden von RWE, EON und anderen Energiekonzernen in Epe betrieben.

› 100 000 Haushalte könnten mit dem Gas aus den vier Trianel-Kavernen ein Jahr lang versorgt werden.

› 280 Millionen Euro hat Trianel in die vier Speicher investiert.

Fragen und Antworten
13.10.2011 17:06 Uhr

Mit Blick auf den Vennbrand vor wenigen Monaten spielten beim Informationsbesuch der Stadtwerke auch Sicherheitsaspekte eine Rolle.

Hat das Feuer im Amtsvenn die Gaskavernen bedroht?

Nach Angaben von Betriebsleiter Burkhard Alisch stellte der Vennbrand kein Sicherheitsproblem für den Gasspeicher dar. Selbst wenn die Flammen die Kaverne erreicht hätten, so Alisch, wäre nichts passiert. „Wir hätten einfach zugedreht. Das Ventil ist dicht – und das Metall schmilzt nicht.“ Unterirdische Explosionsgefahr besteht mangels Sauerstoff nicht.

Sind andere Unfallszenarien denkbar?
„Sicherheit ist unser Hauptthema“, so Betriebsleiter Alisch. Seit Inbetriebnahme des Trianel-Speichers am 1. Oktober 2008 laufe der Betrieb unfallfrei. Der TÜV kontrolliere regelmäßig – auch unangekündigt. Das Risiko eines „Dennoch-Störfalls“ sei äußerst gering. Alisch: „Es müsste schon ein LKW oder ein Flugzeug direkt in den Bohrkopf rasen, um einen Blowout zu verursachen.“

Was ist ein Blowout?
Wenn der Verschluss der Kaverne zum Beispiel durch einen Flugzeugabsturz beschädigt das würde das stark verdichtete Gas aus dem Bohrloch schießen. Ein kleiner Funke würde reichen, um es zu entzünden. Die Fackel, so Alisch, wäre 180 bis 200 Meter hoch und könnte – falls auch das automatische untierdische Sicherheitsventil versagt, bis zu 32 Tage brennen. Außerhalb des 75 Meter messenden Sicherheitsradius bestünde aber keine akute Gefahr für die Bevölkerung.

Welche Notfallpläne gibt es?
Alle Gasspeicherbetreiber in Epe haben einen gemeinsamen Gefahrenabwehrplan. Darüber hinaus gibt es einen Sonderschutzplan des Kreises Borken. Dabei, so Alisch, gehe es vor allem um die Absicherung der Unglücksstelle. Die Feuerwehren der Umgebung könnten einen Blowout nicht löschen. Dafür gibt es eine Spezialeinheit im 90 Kilometer entfernten Emmen in den Niederlanden, die die Ausrüstung hat, um ein brennendes Bohrloch wieder zu verschließen.

Hat es schon mal einen Blowout in Deutschlang gegeben?
Ja, 1980 in Frankenthal in der Pfalz sowie im bayerischen Bierwang, wo nach Bohrarbeiten 400 000 Kubikmeter Erdgas aus einem Speicher fauchten – allerdings ohne sich zu entzünden. Dem legendären US-amerikanischen Feuerwehrmann „Red“ Adair gelang es damals, die Bohrlöcher zu schließen.

2011-10-13 Epe Gasspeicher II

Quelle: Münsterland Zeitung 13.10.2011